In Spanien hebt im Juli 2026 durchschnittlich alle zwölf Sekunden ein Flugzeug ab oder landet – ein Rekord, der zugleich Anlass zu scharfer Kritik gibt. Die umfangreichen Flugbewegungen an spanischen Flughäfen spiegeln einerseits den wirtschaftlichen Boom und den internationalen Tourismus wider, werfen andererseits jedoch gravierende ökologische Fragen auf. Besonders Umweltschützer fordern nun ein Umdenken im Verkehrssektor, da viele Inlandsflüge als vermeidbar gelten.
Die spanische Flugsicherung Enaire verzeichnete im Juli 257.909 Flüge – so viele wie nie zuvor in einem Monat. Hotspots wie Málaga, Valencia, Madrid und Barcelona verzeichnen Flugzeugabfertigungen im Minuten- oder gar Sekundentakt. Die Umweltorganisation „Ecologistas en Acción“ sieht darin eine übermäßige und unnötige Belastung der Umwelt. Ihrer Ansicht nach könnten viele Kurzstreckenflüge, besonders jene zu Zielen mit gut ausgebautem Hochgeschwindigkeitszugnetz, durch Bahnwirtschaftliche Alternativen ersetzt werden. Allein vom Flughafen Madrid-Barajas starten über 27.000 Flüge jährlich zu Städten wie Barcelona, Málaga, Valencia und Vigo, die direkt per Hochgeschwindigkeitszug erreichbar sind.
Die Organisation verweist auf eine Studie mit eindrucksvollen Zahlen: Würden Flüge abgeschafft, für die es eine Zugverbindung mit einer Reisezeit von maximal vier Stunden gibt, könnten etwa 50.000 Flüge pro Jahr eingespart und über 300.000 Tonnen CO₂-Emissionen vermieden werden. Das wäre fast ein Zehntel der gesamten Inlandsflugemissionen Spaniens. Zudem würde die Gesellschaft jährlich circa 50 Millionen Euro an externen Kosten – etwa durch Lärm und Luftverschmutzung – einsparen. Dabei wäre die Bahn oft schneller, wenn man An- und Abreisezeiten berücksichtigt.
Trotz mehrfacher Ankündigungen, darunter auch gesetzlicher Vorgaben wie das „Ley de Movilidad Sostenible“, die Kurzstreckenflüge reduzieren sollen, fehlt bislang ein konkreter Umsetzungsplan. Im Gegenteil: Spaniens Investitionsplan DORA III sieht bis 2031 beinahe 13 Milliarden Euro für den Ausbau der Flughäfen vor. Viele große Flughäfen werden erweitert, um den internationalen Flugverkehr zu steigern. Dieses Vorgehen steht in direktem Widerspruch zu den Forderungen der Umweltbewegungen und dem Wunsch eines Großteils der Bevölkerung nach mehr nachhaltiger Mobilität.
Die Diskrepanz zwischen politischen Versprechen und tatsächlichen Maßnahmen zeigt, wie komplex und umstritten die Verkehrswende in Spanien ist. Letztlich steht der hohe Flugverkehr nicht nur für ökonomische Interessen, sondern auch für die Herausforderung, Wege zu finden, wie Mobilität und Umweltschutz in Einklang gebracht werden können. Nur durch konsequentes Handeln könnte der „Flugwahn“ gebremst werden – ein Schritt, der nicht nur dem Klima, sondern auch der Lebensqualität der Bevölkerung zugutekäme.
Quelle: Agenturen





